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BIENEN AUF WACHE

Bienen auf Wache: Menschen, Elefanten und ein lebender Zaun zwischen ihnen

Harambee – Lasst uns zusammenarbeiten

Das Nationalmotto Kenias lautet „Harambee“ – ein Wort aus dem Swahili, das so viel bedeutet wie „Alle gemeinsam“, „Lasst uns unsere Kräfte vereinen“ oder „Lasst uns zusammenarbeiten“.

Ein passenderes Motto ließe sich wohl auch für ein Bienenvolk kaum finden. Zehntausende Bienen handeln wie ein einziger Organismus: Sie ziehen die Brut auf, sammeln Nahrung, regulieren die Temperatur im Nest und verteidigen ihr gemeinsames Zuhause. Die einzelne Biene ist verletzlich, doch das Volk überlebt durch das abgestimmte Zusammenwirken aller.

In einem außergewöhnlichen kenianischen Projekt erhält das Wort „Harambee“ eine noch tiefere Bedeutung. Die Bienen arbeiten miteinander, die Landwirte bündeln ihre Kräfte, und die Menschen suchen nach einer Möglichkeit, ihre Lebensgrundlage zu schützen, ohne Elefanten zu töten.

So wird das Nationalmotto Kenias zugleich zu einem ungeschriebenen Gesetz des Zusammenlebens:

Harambee – Lasst uns zusammenarbeiten!

Wenn Elefanten auf die Felder kommen

Aus der Ferne wirken Elefanten ruhig, weise und gutmütig. Doch eine Begegnung zwischen Elefant und Mensch sieht ganz anders aus, wenn sie nicht in einem touristischen Schutzgebiet stattfindet, sondern mitten in der Nacht auf dem Feld einer Familie.

Eine Herde kann innerhalb weniger Stunden die Ernte vernichten, von der der Lebensunterhalt einer ganzen Familie abhängt. Elefanten reißen Zäune nieder, beschädigen Wasserleitungen und Gebäude, und Begegnungen mit Menschen enden bisweilen mit schweren Verletzungen oder sogar mit dem Tod – auf beiden Seiten.

Für den Landwirt ist der Elefant ein gewaltiger Schatten, der seinen Kindern die Nahrung nehmen kann. Für den Elefanten ist das Feld eine ergiebige und leicht zugängliche Nahrungsquelle auf einem Land, über das seine Herden seit Generationen gezogen sind.

Sowohl der Mensch als auch der Elefant kämpfen ums Überleben. Beide können im Recht sein – und dennoch zu Feinden werden.

Warum haben Elefanten Angst vor Bienen?

Die dicke Haut des Elefanten schützt ihn vor vielen Gefahren. Seine Augen, sein Maul und das Innere seines Rüssels bleiben jedoch empfindlich. Aufgeregte afrikanische Bienen können gerade diese Stellen angreifen.

Elefanten erkennen das Summen beunruhigter Bienen und ziehen sich häufig zurück, noch bevor sie gestochen werden. Sie schütteln den Kopf, wirbeln Staub auf, geben Warnlaute von sich und warnen dadurch die übrigen Mitglieder der Herde. Die gemachten Erfahrungen bleiben auch im Gedächtnis der Familie erhalten.

Auf diesem natürlichen Verhalten beruht die Idee der Bienenstockzäune.

Rund um das Feld werden echte Bienenstöcke aufgestellt, die sich mit kostengünstigeren leeren Attrappen abwechseln. Alle Elemente sind durch Draht miteinander verbunden. Versucht ein Elefant hindurchzugehen, spannt er den Draht, die Bienenstöcke geraten ins Schwanken, die Bienen werden alarmiert und fliegen aus. In vielen Fällen genügen bereits die Bewegung der Bienenstöcke und das Summen, um das Tier zum Rückzug zu bewegen.

Dabei handelt es sich nicht um ein unüberwindbares physisches Hindernis. Ein Elefant könnte einen hölzernen Bienenstock mühelos zerstören. Der Bienenstockzaun wirkt durch das Gedächtnis, das Gehör und die Vorsicht des Tieres. Er ist ein lebendes Warnsystem.

Neun Jahre Beobachtungen in der Nähe von Tsavo

Zwischen 2012 und 2020 beobachteten Forschende 26 kleine landwirtschaftliche Betriebe in zwei Dörfern nahe dem Tsavo-East-Nationalpark in Kenia. Für die Bienenstockzäune wurden insgesamt 365 echte Bienenstöcke verwendet. Um jede geschützte Fläche herum standen ungefähr 12 bis 15 Bienenstöcke, die sich mit Attrappen abwechselten.

Während des neunjährigen Zeitraums wurden 3.999 Annäherungen von Elefanten an die beobachteten Farmen ausgewertet.

Im Durchschnitt hielten die Bienenstockzäune etwa 76 Prozent der sich nähernden Tiere ab. In den sechs untersuchten Anbauzeiten mit gut gedeihenden Kulturen lag ihre Wirksamkeit zwischen 78,3 und 86,3 Prozent. Am besten funktionierte das System nach ausreichenden Niederschlägen, wenn mehr Bienenstöcke besiedelt und die Bienenvölker stärker waren.

Das ist ein bemerkenswertes Ergebnis für eine vergleichsweise einfache Barriere, die Elefanten weder tötet noch verletzt und zugleich die Bestäubung fördern sowie Honig, Wachs und ein zusätzliches Einkommen für die Landwirte ermöglichen kann.

Eine Tonne Honig aus 365 Bienenstöcken – warum so wenig?

Innerhalb von neun Jahren wurden mit den Bienenstockzäunen ungefähr eine Tonne Honig erzeugt und für insgesamt rund 2.250 US-Dollar verkauft.

Teilen wir diese Menge rein rechnerisch durch 365 Bienenstöcke und neun Jahre, ergibt sich:

1.000 ÷ 365 ÷ 9 = 0,304 kg

Das sind gerade einmal etwa 304 Gramm Honig pro Bienenstock und Jahr – eine Menge, die einem Imker geradezu absurd gering erscheinen mag.

Diese Rechnung ist jedoch irreführend. Im Rahmen des Projekts wurden zwar 365 Bienenstöcke aufgestellt, doch darin lebten keineswegs 365 dauerhaft ansässige und produktive Bienenvölker.

Die Bienenstöcke sollten auf natürliche Weise von Schwärmen besiedelt werden. Nach meiner mehr als 30-jährigen Erfahrung kommt dies äußerst selten vor – so selten, dass ich selbst noch nie eine solche Besiedlung beobachtet habe. Die Belegungsrate schwankte stark in Abhängigkeit von den Niederschlägen, der vorhandenen Vegetation und dem Zustand der Umwelt. Während der schweren Dürre des Jahres 2017 ging der Anteil der besiedelten Bienenstöcke um etwa 75 Prozent zurück. In der schlimmsten Phase waren nur noch ungefähr 20 Prozent belegt.

Es wäre daher falsch, die gesamte Honigmenge durch alle aufgestellten Bienenstöcke zu teilen. Sie müsste vielmehr auf die tatsächlich besiedelten und im jeweiligen Jahr ausreichend starken Bienenvölker bezogen werden. Die wissenschaftliche Veröffentlichung enthält jedoch nicht alle erforderlichen Jahresdaten, um den exakten durchschnittlichen Ertrag eines aktiven Bienenvolkes zu berechnen.

Die Dürre nimmt sowohl den Nektar als auch die Bienen

Die Region um Tsavo ist trocken und immer wieder langen Zeiträumen ohne ausreichende Niederschläge ausgesetzt. Wenn eine Dürre eintritt:

* geht die Blüte zurück oder bleibt vollständig aus;

* bilden die Pflanzen wenig oder gar keinen Nektar;

* trocknen Wasserstellen aus;

* werden die Bienenvölker schwächer;

* wird der gesammelte Honig für das eigene Überleben verbraucht;

* verlassen manche Bienenvölker ihre Behausungen.

Die Folgen der schweren Dürre endeten nicht mit dem ersten Regen. Die geringe Belegung der Bienenstöcke und die niedrigen Honigerträge hielten noch ungefähr drei weitere Jahre an.

Die lokalen afrikanischen Populationen von *Apis mellifera* neigen bei Nahrungsmangel, Überhitzung oder anhaltender Störung stärker dazu, ihre Behausung zu verlassen. Das ist eine Anpassung an eine raue und wechselhafte Umwelt: Statt an einem aussichtslosen Ort zu bleiben, sucht das Bienenvolk ein anderes Gebiet.

Dies ist kein gewöhnlicher Bienenstand

Die Bienenstöcke stehen am Rand von 26 voneinander getrennten Farmen. Sie bilden keinen zentralen Bienenstand, der fortlaufend von professionellen Imkern betreut wird. Das erschwert regelmäßige Kontrollen, die Schwarmverhinderung, Reparaturen, die rechtzeitige Erweiterung der Bienennester und eine organisierte Honigernte.

Die Eigentümer sind in erster Linie Landwirte. Ihre größte Sorge gilt der Ernte und der Sicherheit ihrer Familien; die Imkerei ist lediglich eine zusätzliche Tätigkeit. Ein Teil des Honigs wurde wahrscheinlich nicht entnommen, in den Haushalten selbst verbraucht oder nicht über das offizielle Erfassungs- und Verkaufssystem abgerechnet. In der Veröffentlichung wird zwar über erzeugten und verkauften Honig berichtet, doch lässt sich nicht feststellen, ob tatsächlich jedes geerntete Kilogramm registriert wurde.

Auch die Bauweise der Bienenstöcke spielt eine Rolle. Im Projekt kamen sowohl kenianische Oberträgerbeuten als auch Langstroth-Beuten zum Einsatz. Eine frühere Untersuchung in derselben Region ergab bei Langstroth-Beuten eine deutlich höhere Belegungsrate und Produktivität als bei den verwendeten Oberträgerbeuten.

Eine Tonne Honig ist kein Beweis dafür, dass afrikanische Bienen unproduktiv wären. Die Zahl zeigt vielmehr, dass es sich nicht um einen Imkereibetrieb mit 365 ständig aktiven Bienenvölkern handelte. Die Bienenstöcke waren in erster Linie Bestandteile eines Schutzsystems.

Als Honigerzeugungsprojekt ist das Ergebnis bescheiden. Als Schutzmaßnahme ist es dagegen beeindruckend. Die eigentliche „Ernte“ besteht nicht nur aus dem Honig, sondern auch aus dem geretteten Mais, der bewahrten Arbeit der Landwirte und dem geringeren Risiko, dass Menschen und Elefanten einander töten.

Der Bienenstockzaun sagt nur: „Nicht hier“

An dieser Stelle stellt sich eine noch wichtigere Frage: Was geschieht mit dem vertriebenen Elefanten?

Der Bienenstockzaun schützt ein bestimmtes Feld. Er schafft jedoch keine neue Weide, keinen neuen Fluss und keinen neuen Lebensraum. Er beseitigt weder Hunger noch Durst. Er sagt lediglich: „Nicht hier.“

Der zurückgedrängte Elefant kann in die Savanne zurückkehren, nach einer anderen Wasserstelle suchen oder versuchen, den Zaun zu umgehen. Er kann es in der folgenden Nacht erneut probieren oder sich einem benachbarten, ungeschützten Feld zuwenden.

Die Tiere entdecken Schwachstellen sehr schnell. In der kenianischen Untersuchung wurden 343 Fälle registriert, in denen Elefanten durch Lücken an den Enden der Zäune gelangten, ohne die eigentlichen Bienenstöcke zu passieren. Nachdem diese Öffnungen zusätzlich mit Schnüren aus Metalldosen geschützt worden waren, die mit kleinen Steinen gefüllt waren und bei Berührung Lärm verursachten, ging die Zahl der Durchgänge stark zurück.

Dies zeigt die Intelligenz und Beharrlichkeit der Elefanten, aber auch den Kern des Problems: Ein Elefant hört nicht auf, Nahrung zu benötigen, nur weil er auf einen Zaun trifft. Er sucht lediglich nach einem anderen Weg dorthin.

Warum ist das Feld so unwiderstehlich?

Während der Regenzeit ernähren sich Savannenelefanten überwiegend von Gräsern. In Trockenperioden weichen sie auf Blätter, Zweige, Rinde, Wurzeln und Früchte aus. Um ihren gewaltigen Körper zu versorgen, müssen erwachsene Tiere jeden Tag beträchtliche Mengen pflanzlicher Nahrung und Wasser finden.

Landwirtschaftliche Kulturen sind eine weitaus konzentriertere und leichter zugängliche Nährstoffquelle als die spärliche, vertrocknete Vegetation. Mais, Sorghum, Wassermelonen und andere Kulturpflanzen wachsen dicht beieinander, sind saftig und erfordern keine langwierige Nahrungssuche.

Für einen Elefanten ist das Feld das, was ein offen stehendes Honiglager für Bienen wäre.

Uralte Wege werden versperrt

Elefanten halten sich nicht zwangsläufig das ganze Jahr über innerhalb der Grenzen von Nationalparks auf. Sie nutzen riesige Gebiete und folgen traditionellen Routen zwischen Weideflächen, Wäldern, Fortpflanzungsgebieten und saisonalen Wasserstellen.

Im Süden Kenias ziehen die Herden zwischen den Ökosystemen von Tsavo, Amboseli und den Chyulu Hills sowie zwischen kommunalen und privaten Schutzgebieten und den von der örtlichen Bevölkerung genutzten Flächen umher.

Diese Routen existierten lange vor den heutigen Straßen, Eisenbahnlinien, Feldern und Katastergrenzen. Heute werden die Korridore jedoch von Infrastruktur und Siedlungen durchschnitten oder in kleine Privatgrundstücke aufgeteilt.

Beobachtungen mithilfe von GPS-Halsbändern zeigen, dass die Elefanten die eigens errichteten Unterführungen unter der Eisenbahnstrecke durch Tsavo nutzen. Viele Durchquerungen erfolgen nachts. Die Tiere beschleunigen, wenn sie in die Unterführungen hineingehen – ein Verhalten, das auf Anspannung in einer gefährlichen und stark veränderten Umwelt hindeutet.

Der Elefant weiß nicht, was Kataster, Privateigentum oder die Grenze eines Nationalparks bedeuten. Er kennt Hunger, Durst und den im Gedächtnis bewahrten Weg zum Wasser.

Wird dieser Weg versperrt, ist der Konflikt nahezu unvermeidlich.

Wie versucht Kenia, sowohl den Menschen als auch den Elefanten zu helfen?

Es gibt weder einen einzelnen Zaun noch eine einzelne Technologie, die das Problem lösen könnte. Notwendig ist ein ganzes System einander ergänzender Maßnahmen.

Erhaltung der Wanderkorridore

Dies ist die wichtigste langfristige Lösung. Wird der traditionelle Weg zum Wasser bebaut, kann sich der Elefant keinen neuen Fluss schaffen.

Kenias nationaler Aktionsplan für Elefanten für den Zeitraum 2023–2032 legt besonderen Wert auf den Schutz und die Wiederherstellung von Wanderkorridoren, die Vernetzung der Lebensräume, eine geeignete Raumplanung und die Berücksichtigung der Bewegungen von Wildtieren beim Ausbau der Infrastruktur.

Unterführungen und andere Durchlässe können helfen – allerdings nur dann, wenn auch der Weg zu ihnen und der Raum hinter ihnen frei bleiben.

Gemeinschaftliche Schutzgebiete und gerechte Einkommen

Ein Teil der Flächen rund um die Nationalparks wird als gemeinschaftlich verwaltetes Naturschutzgebiet genutzt. Die örtlichen Landeigentümer können Einnahmen aus dem Tourismus, Arbeitsplätze, Mittel aus Naturschutzprojekten und Pachtzahlungen erhalten, wenn sie dafür wichtige Gebiete vor Bebauung und Einzäunung bewahren.

Das ist von entscheidender Bedeutung. Wenn die ganze Welt möchte, dass die Elefanten erhalten bleiben, ist es nicht gerecht, wenn allein der arme Landwirt am Rande des Schutzgebietes mit seiner vernichteten Ernte den Preis dafür bezahlt.

Die Menschen müssen im lebenden Elefanten einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert erkennen können. Wenn von dem Tier nur Angst, Schäden und unerfüllte Versprechen bleiben, geht die Bereitschaft zum Zusammenleben zwangsläufig verloren.

Schutz und Frühwarnung

Bienenstockzäune sind nur eine der eingesetzten Methoden. Darüber hinaus kommen Elektrozäune, Scheinwerfer, Sirenen, Beobachtungsteams, GPS-Ortung und Frühwarnsysteme zum Einsatz.

Erprobt werden außerdem Seile und andere Abschreckungsmittel mit Chilischoten, Lärmbarrieren sowie der Anbau von Nutzpflanzen, die für Elefanten weniger attraktiv sind.

Jede Maßnahme hat ihre Grenzen. Elefanten lernen, gewöhnen sich an wiederkehrende Signale und finden Schwachstellen. Deshalb muss der Schutz fortlaufend angepasst werden und Teil einer umfassenden Planung sein. Er darf sich nicht darauf beschränken, die Tiere von einem Feld zum nächsten zu vertreiben.

Entschädigung der Betroffenen

Kenia verfügt über ein Entschädigungssystem für Todesfälle und Verletzungen von Menschen, zerstörte Ernten, getötete Nutztiere und beschädigtes Eigentum.

In der Praxis erfolgen Begutachtung und Auszahlung jedoch nicht immer schnell genug. Für einen Menschen, der seine gesamte Jahresernte verloren hat, kann eine künftige Entschädigung die Nahrung nicht ersetzen, die er heute benötigt.

Eine gerechte und rechtzeitig gezahlte Entschädigung ist kein Geschenk. Sie ist ein Teil des Preises, den die Gesellschaft tragen muss, wenn sie wilde Tiere schützen möchte.

Umsiedlung einzelner Gruppen

Im Jahr 2024 siedelte Kenia 50 Elefanten aus dem überfüllten Mwea-Reservat in den geräumigeren Aberdare-Nationalpark um. Die Tiere wurden betäubt, mit Speziallastwagen transportiert und mit GPS-Sendern ausgestattet.

Solche Maßnahmen können Spannungen an einem bestimmten Ort verringern, sind jedoch teuer, kompliziert und riskant. Sie eignen sich für einige Dutzend, nicht aber für Zehntausende Tiere. Eine Umsiedlung ist zudem nur dann erfolgreich, wenn das neue Gebiet ausreichend Raum, Wasser und Nahrung bietet.

Ist Kenia erfolgreich?

Die Antwort lautet zugleich „Ja“ und „Nein“.

Kenia hat bei der Erhaltung seiner Elefanten große Erfolge erzielt. Nach den schweren Jahrzehnten der Wilderei hat sich der landesweite Bestand deutlich erholt. Das ist ein wirklicher Erfolg des Naturschutzes.

Doch das Wachstum der Elefantenpopulation fällt mit einer Zunahme der menschlichen Bevölkerung, der Ausweitung der Landwirtschaft und der Zerstückelung freier Gebiete zusammen. So entsteht aus dem Erfolg eine neue Herausforderung: Mehr Elefanten müssen in einer Welt überleben, in der der verfügbare Raum immer kleiner wird.

Kenia ist es gelungen, viele Elefanten zu retten. Doch noch sind nicht überall ausreichende Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben mit den Menschen geschaffen worden.

Dies ist nicht nur ein kenianisches Problem. Es ist eine weltweite Frage danach, welchen Preis die Bewahrung der Wildnis hat – und wer diesen Preis bezahlen soll.

Der Elefant ist kein Haustier

Ein Elefant kann Menschen erkennen, langfristige Beziehungen aufbauen und Vertrauen sowie Zuneigung zeigen. Das macht ihn jedoch nicht zu einem Haustier.

Er benötigt ein riesiges Gebiet, abwechslungsreiche pflanzliche Nahrung, große Mengen Wasser, den Kontakt zu anderen Elefanten und die Freiheit, selbst zu entscheiden, wohin er sich bewegt. Seine Haltung erfordert spezialisierte tiermedizinische Betreuung, qualifizierte Pfleger und erhebliche finanzielle Mittel.

In einigen asiatischen Ländern werden Elefanten seit Jahrhunderten für den Transport, die Forstarbeit, Zeremonien und den Tourismus eingesetzt. Hinter dem äußeren Bild eines „gezähmten Elefanten“ stehen jedoch häufig Ankettung, Einschränkungen, erzwungenes Training und ein gestörtes Sozialleben.

Die Auffangstationen für verwaiste Elefantenkälber in Kenia verfolgen ein anderes Ziel. Die Jungtiere erhalten intensive Betreuung und menschliche Nähe, doch letztlich sollen sie schrittweise in die Wildnis zurückkehren.

Der Elefant ist zu intelligent, zu sozial und zu freiheitsliebend, um wirklich einem einzelnen Menschen gehören zu können.

Die Tränen des vertriebenen Elefanten

Wird jemand die Tränen in den Augen des vertriebenen, hungrigen und durstigen Elefanten sehen?

Elefanten können Tränenflüssigkeit bilden. Wissenschaftlich lässt sich jedoch nicht behaupten, dass jede Träne im menschlichen Sinne Ausdruck von Trauer ist. Um ihr Leiden zu erkennen, brauchen wir aber keine Tränen.

Es zeigt sich in ihrer Erschöpfung, ihrer Unruhe, ihrem nächtlichen Anschleichen, ihrer Trennung von der Herde und ihrer beharrlichen Rückkehr an Orte, an denen es einst Wasser gab.

Die Bienen vertreiben den Elefanten von einem Feld. Ein Elektrozaun hält ihn vor dem nächsten auf. Eine Eisenbahnlinie durchschneidet seinen Weg. Die Siedlung hat sich rund um die Wasserstelle ausgebreitet.

In den Augen des vertriebenen Elefanten liegt nicht unbedingt Hass auf den Menschen. Dort sind Hunger, Durst und das Unverständnis darüber, warum die Welt, an die er sich erinnert, ihn nicht mehr hineinlässt.

Sein Leiden zu sehen bedeutet nicht, die Landwirte schutzlos zu lassen. Das Leben und die Arbeit der Menschen sind nicht weniger wertvoll. Mitgefühl für den Elefanten darf nicht verlangen, dass ein armer Mensch seine Lebensgrundlage opfert.

Wirkliche Hilfe bedeutet, dass sich hinter dem Bienenstockzaun ein freier Korridor, Wasser und ein Gebiet befinden, in das das Tier geleitet werden kann. Andernfalls lösen wir den Konflikt nicht – wir verlagern lediglich das Leiden.

Wie können wir wirklich helfen?

Die Elefanten sind weder Eigentum noch ausschließliches Problem Kenias. Sie sind Bewohner unserer Erde. Über ihnen spannt sich derselbe Himmel wie über uns.

Praktische Hilfe muss sich gleichzeitig an die Elefanten und an die Menschen richten, die mit ihnen zusammenleben:

* Erhaltung der Wanderkorridore;

* Schutz der Felder, ohne die Tiere zu töten;

* gerechte Einkommen und Entschädigungen für die örtlichen Gemeinschaften;

* Wiederherstellung von Lebensräumen und Wasserstellen;

* Schulung beim Aufbau und bei der Instandhaltung von Bienenstockzäunen;

* tiermedizinische Versorgung und Rückführung verwaister Elefanten in die Wildnis;

* Überwachung, Frühwarnung und schnelle Reaktion bei Konflikten.

Die Organisation Save the Elephants entwickelt das Projekt „Elephants and Bees“ und weitere Methoden für ein friedliches Zusammenleben. Die Big Life Foundation setzt sich mithilfe von Vereinbarungen mit örtlichen Landeigentümern für den Erhalt wichtiger Wanderkorridore ein. Der Sheldrick Wildlife Trust rettet und versorgt verwaiste Tiere mit dem Ziel, sie wieder in die Wildnis zurückzuführen.

Die Hilfe muss nicht riesig sein. Sie sollte jedoch dauerhaft und transparent sein und auf ein konkretes Ergebnis ausgerichtet werden.

Besser ist es, sagen zu können:

> „Wir haben dazu beigetragen, dass ein bestimmter Abschnitt eines Wanderkorridors unverbaut und frei bleibt.“

oder:

> „Wir haben den Bau und die Instandhaltung eines Bienenstockzaunes für eine bestimmte Bauernfamilie unterstützt.“

Dann hat die Spende einen Ort, ein Gesicht und ein messbares Ergebnis.

Imker auf der ganzen Welt haben eine besondere Verbindung zu diesem Anliegen. Bienen können die Ernte schützen, den Landwirten ein zusätzliches Einkommen verschaffen und das Risiko verringern, dass Elefanten verletzt oder getötet werden. Doch der Zaun darf nur die eine Hälfte der Lösung sein. Die andere Hälfte ist der freie Weg, auf dem das vertriebene Tier Nahrung und Wasser erreichen kann.

Unter demselben Himmel

Wir können nicht jedem Elefanten ein neues Zuhause geben. Wir können jedoch dazu beitragen, dass ihm sein Zuhause nicht genommen wird.

Wir können den Landwirt schützen, ohne den Elefanten zum Feind zu erklären. Wir können den Elefanten bewahren, ohne vom armen Menschen zu verlangen, dass er allein den Preis dafür bezahlt. Wir können Mitgefühl in einen Wanderkorridor, eine Wasserstelle, einen Bienenstock, eine Entschädigung oder eine gerettete Ernte verwandeln.

Ein Bienenstockzaun kann ein Feld retten. Doch nur ein freier Weg zu Nahrung und Wasser kann auch den Elefanten retten.

Und damit kehren wir zu dem Wort zurück, mit dem wir begonnen haben:

Harambee – Lasst uns zusammenarbeiten!

Nicht nur die Bienen untereinander. Nicht nur die Landwirte eines Dorfes. Die örtlichen Gemeinschaften, Naturschützer, Wissenschaftler, Tourismusunternehmen, der Staat und Menschen aus weit entfernten Ländern müssen zusammenarbeiten – Menschen, die verstehen, dass die Elefanten ein Teil unseres gemeinsamen Naturerbes sind.

Denn über dem vertriebenen Elefanten spannt sich derselbe Himmel wie über uns.

Quellen

* King, L. E. et al.: „Impact of drought and development on the effectiveness of beehive fences as elephant deterrents over 9 years in Kenya“, *Conservation Science and Practice*, 2024:

[https://doi.org/10.1111/csp2.13242](https://doi.org/10.1111/csp2.13242)

* Save the Elephants – Elephants and Bees:

[https://savetheelephants.org/elephants-and-bees/](https://savetheelephants.org/elephants-and-bees/)

* National Elephant Action Plan for Kenya 2023–2032:

[https://www.awf.org/about/videos-publications/books-and-papers/national-elephant-action-plan-kenya-2023-2032-2023](https://www.awf.org/about/videos-publications/books-and-papers/national-elephant-action-plan-kenya-2023-2032-2023)

* Big Life Foundation – Schutz von Lebensräumen und Wanderkorridoren:

[https://biglife.org/what-we-do/habitat/securing-wildlife-habitat](https://biglife.org/what-we-do/habitat/securing-wildlife-habitat)

* Sheldrick Wildlife Trust – Rettung verwaister Elefanten und ihre Rückführung in die Wildnis:

[https://www.sheldrickwildlifetrust.org/](https://www.sheldrickwildlifetrust.org/)